BWL-Studenten kochen im Pop-Up-Restaurant

BWL-Studenten kochen im Pop-Up-Restaurant

„Laden Ein“ in Köln wird für zwei Wochen zur Empanadería

Alle zwei Wochen eine neue Küche – das ist das Konzept von „Laden Ein“ im Agnesviertel in Köln. In dem Pop-Up-Restaurant haben Gastronomen ohne Restaurant die Möglichkeit temporär einzuziehen. Aktuell steht dort „Locura“, ein Kollektiv junger BWL-Studenten der Alanus Hochschule, hinter dem Tresen und bietet nord-argentinischen Empanadas an.

Aus einer fixen Idee während des Studiums an der Alanus Hochschule wurde innerhalb von zwei Jahren ein eigenes Unternehmenskonzept. Das Team rund um Mario Adam und Matalena Glünkin hat sich bereits mit ihrem Food-Truck auf dem Feierabendmarkt am Rudolfplatz in Köln einen Namen gemacht und ist nach dem Prinzip der Konsensdemokratie organisiert. Noch bis zum 16. Januar testen sie im ersten Pop-Up-Restaurants Köln, ob der Traum der eigenen Empanadería mit der Realität eines Restaurantbetriebes vereinbar ist.

Gegen halb sieben Abends wird es langsam voll im Ladenlokal in der Blumenthalstraße. Die Holztische vor dem „Vertical Garden“, einer bepflanzten Wand, sind alle besetzt. Vor den Gästen: kleine Teigtaschen wahlweise mit Käse, Fleisch oder Gemüse gefüllt.

Quelle:Alanus Hochschule

Quelle:Alanus Hochschule

Auf den Tischen liegen orange-rote südamerikanisch anmutende Tischläufer, Weinflaschen dienen als Kerzenständer und Getränkekarte, an den Wänden hängen Bilder des „Locura“-Teams. Die Einrichtung wurde den Jungunternehmen gestellt, dekoriert haben sie am Wochenende vor der Eröffnung selbst. Seit Montag stehen die Argentinien-Liebhaber täglich von 12 bis 22 Uhr im Restaurant. 12 bis 13 Stunden sind die Arbeitstage lang.

Erfahrungen hat das junge Team aus vier festen und sechs weiteren Mitarbeitern bereits mit seinen mobilen Food-Truck auf Festivals und seit Herbst 2015 auch auf dem „meet & eat“ Feierabendmarkt am Rudolfplatz gesammelt, für den sie unter mehreren tausend Bewerbungen ausgewählt wurden. Matalena Glünkin erzählt: „Wir sind es nicht gewöhnt in den Strukturen eines Restaurants zu arbeiten. Die Abläufe in einem Food-Truck sind ganz anders. Der Food-Truck ist vergleichbar mit einer Zwischenmiete. Man baut immer wieder neu auf und ab. Das hier ist mehr wie Einziehen und Ankommen.“ „Mir gefiel besonders die Idee, dass wir uns hier ohne großes Risiko ausprobieren können“, ergänzt Mario Adam.

Die „argentinischen Bretzel“

Den ersten Bezug zu Empanadas hatte Mario Adam bereits vor seinem Studium. Während eines freiwilligen sozialen Jahres in Nord-Argentinien wohnte er bei einer Gastfamilie, die eine eigene Empanadería hatte.

Dass er deren traditionelles Rezept später in seiner eigenen Empanadería anbieten würde, hätte er damals wohl kaum geglaubt. Als Adam einige Jahre später während seines Studiums zusammen mit Matalena Glünkin ein Auslandssemester in Argentinien verbrachte, gab es Empanadas an jeder Straßenecke zu kaufen.

Die „argentinischen Bretzel“ könnte auch als Streefood in Deutschland funktionieren, waren die jungen Studenten überzeugt. Während eines Festivals, das einige Kommilitonen 2013 als Hochschulprojek an der Alanus Hochschule organisierten, setzen sie ihre Idee vom Streetfood dann erstmals in die Tat um. Und die beiden behielten Recht: Die Idee kam so gut an, dass sie mit ihrem neuen Streetfood-Trend kurz darauf für die ersten südamerikanischen Festivals angefragt wurden.

Doch dabei sollte es nicht bleiben: Durch Mundpropaganda verbreitete sich die Idee schnell weiter und auch die ersten städtischen Streetfoodfestivals waren an dem in Deutschland noch unbekannten Streetfood interessiert. Know-How und eine Infrastruktur mussten her: Adam besuchte daraufhin einen Empaderia-Kurs, der Keller der Großmutter wurde zur Küche umgebaut und als Zubereitungsstätte vom TÜV und Gesundheitsamt zertifiziert und schließlich ein gebrauchter Food-Truck gekauft.

Seitdem ist „Locura“ regelmäßig auf den Streefoodfestivals in Köln, Düsseldorf und Koblenz vertreten. „Durch die Selbstständigkeit lernen wir sehr viel. Wir konnten aus dem Studium einige BWL-Skills mitnehmen, was Kalkulationen und Organisation angeht, vieles ist aber auch Bauchgefühl“, erzählt Glünkin, die gerade parallel an ihrer Bachelorarbeit schreibt.

Prinzip der Konsensdemokratie

Während des Studiums hatten die Studenten auch erstmals Kontakt zu Uwe Lübbermann von Premium-Cola, einer Getränkemarke ohne Büro, die von einem Internet-Kollektiv nach dem Prinzip der Konsensdemokratie organisiert wird.

Quelle: Alanus Hochschule

Quelle: Alanus Hochschule

Die Idee hat die Jungunternehmer so begeistert, dass sie ebenfalls versuchen, in ihrem Unternehmen ohne Hierarchien zu arbeiten. Das Motto des Teams: Alle dürfen mitbestimmen und tragen dadurch die gleiche Verantwortung. „Wenn Menschen sich die Regeln selbst machen, funktionieren sie auch“, sind sich alle einig.

Nach den zwei Wochen im Pop-Up-Restaurant werden die Anfang Zwanzigjährigen wieder jeden Donnerstagabend mit ihrem Food-Truck am Rudolfplatz stehen. Die nächsten Festivalbewerbungen sind schon geschrieben.

Matalena Glünkin wird nach ihrem Studienabschluss eine weitere Reise durch Südamerika machen. Auch Mario Adams studiert im letzten Semester. Beide verbindet ein Traum: eine eigene Empanandería und Vinothek mit Weinen aus der Region Mendoza, aus der auch Mario Adams Frau stammt, die ebenfalls bei „Locura“ mit an den Töpfen steht. Doch noch wollen die beiden nicht zu weit in die Zukunft schauen. Priorität hat für sie momentan noch das Studium.

Quelle: Alanus Hochschule